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Wahrnehmungs-, Hör- und Achtsamkeitstherapie

Warum ist Ablenkung nicht die richtige Methode zur Bewältigung ?
Da Ohrgeräusche meist als sehr unangenehm erfahren werden, bildet sich dementsprechend Widerstand dagegen. Um die Ohrgeräusche von sich fernzuhalten, sucht der Patient nach  immer neuen Tätigkeiten der Ablenkung. Oft werden diese in eifriger. angestrengter Arbeit gefunden oder in erhöhtem Konsum von Radio, Fernsehen usw. Durch die oft krampfhafte Ablenkung wird der Tinnitus eher lauter, - ein "Teufelskreis" entsteht.
Dieser der Gesundheit nicht zuträgliche  Kreislauf kann jedoch wirksam durchbrochen werden.

Welches ist der bessere Weg?
Der bessere Weg erweist sich darin, dass die sensorische Verarbeitung des Gehirns andere "Nahrung" bekommt. Wir erarbeiten mit jedem unserer Patienten eine auf ihn zugeschnittene Art der Lebensgestaltung, die ihm eine  lockere und entspannte Lenkung der Aufmerksamkeit erlaubt.
Unsere Patienten lernen, durch konstruktive Gedanken Einfluss auf Körper und Seele zu nehmen. Physiologisch gesehen sinkt das Erregungsniveau im Bereich des zentralen Nervensystems, insbesondere der Formatio reticularis, was von großem Vorteil für die Bewältigung des Tinnitus ist. Da dieser als Störung der zentralen Verarbeitung von Wahrnehmungseindrücken gilt, wird verständlich, dass sich durch eine entsprechende Wahrnehmungshaltung die Ohrgeräusche positiv beeinflussen lassen.

Es gibt einen fließenden Übergang von Wahrnehmungsübungen für alle Sinne, Hörtraining und Achtsamkeitstherapie.

1. Wahrnehmungsübungen für alle Sinne
"Weil Sie Augen haben, bedeutet das noch lange nicht,dass Sie auch sehen können."
(Ausspruch des Regisseurs Greenaway)
Unser Gehirn hat eine wunderbare Fähigkeit zur Fokussierung der Wahrnehmung, d.h. zur genauen Wahrnehmung. Leider wird diese aber wenig genutzt. Eine Haltung der Offenheit aller Sinne ist von großem Wert, denn durch einen bewussten Umgang mit sensorischen Eindrücken kann der Reichtum des Lebens wieder erfahrbar werden. Ähnlich wie in Kindertagen wird dadurch das Leben vielgestaltig und interessant. Die Nähe zum Leben wird wieder fühlbar. In unserem Übungsprogramm werden vielseitige Anregungen gegeben, um die eine bewusste Verarbeitung von Sinneseindrücken zu fördern.
Da das Wahrnehmungstraining eine Haltung des Interesses an der Umgebung fördert, fällt es dem Patienten leichter, die strenge Fokussierung auf die eigene Problematik zu lösen und seine Sinne der Umwelt gegenüber wieder zu öffnen.

Nach Möglichkeit finden die Übungen im weitläufigen Kurpark statt, der auch große naturbelassene Bereiche aufzuweisen hat und direkt hinter den Klinkgebäuden liegt. Auch Exkursionen in die nähere Umgebung, in den Wald oder in die Stadt mit ihren vielfältigen Geräuschen gehören zum Programm.

2. Hörtraining
Wir nutzen die Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns und zeigen dem Patienten Methoden zur Veränderung ungünstiger Muster bei der Verarbeitung akustischer Eindrücke. Das Hörtraining zielt auf den Aufbau einer verbesserten Filterfähigkeit akustischer Reize ab.
Um einige wenige Beispiele zu nennen: durch das Lauschen  auf  Naturlaute (wie das Rauschen, Rascheln und Wispern der Blätter in den Wipfeln der Bäume) oder auf Klänge (wie der Klang der Kirchenglocken zum Stundenschlag), aber auch auf alltägliche Geräusche (wie das Rieseln der Wassertropfen in der Dusche, das leise Geräusch eines Vorhanges, der vom Wind bewegt wird oder  das Knacken des Apfels beim Hineinbeißen) wird das Hören wieder um ein Vielfaches reicher. Diese Hörhaltung bedeutet Genuss und Lebensfreude.
Der Patient lernt, das Hören aktiv zu steuern. Er bleibt nicht länger Opfer der unwillkürlichen Fokussierung auf den Tinnitus, sondern wird zum Lenker der Hörwahrnehmung. Eine heilsame Neuorientierung des Hörens stellt sich ein, - der Tinnitus verliert an Aufmerksamkeit.
Für die Bewältigung der Hyperakusis ist ein aufbauendes Expositionstraining günstig. Statt dass der Patient Geräusche meidet und ihnen entflieht, wird eine langsame Annäherung an Geräusche versucht und gefördert. Dadurch entsteht Mut und Sicherheit. Der Umgang mit vielerlei Geräuschen in alltäglichen Situationen wird wieder möglich.

3. Achtsamkeitstherapie
Wenn unsere Gedanken sich ständig mit Vergangenem, Zukünftigem und mit Problemen beschäftigen, verpassen wir den gegenwärtigen Moment und wir bleiben in sorgenvollen Gedankengängen hängen. Dies kostet viel Kraft und macht letztendlich unglücklich.
Es entsteht eine entlastende Wirkung, wenn das "Hier und Jetzt" im Vordergrund der Aufmerksamkeit sein darf. Das Gefühl des Gegenwärtigseins beendet das Bedürfnis, ständig über alles nachgrübeln zu müssen. Zwar kommen unwillkürlich immer wieder Gedanken, aber auch diese können als solche achtsam wahrgenommen und wieder losgelassen werden. Gelingt einem auf diesem Wege die Ruhe der Gedanken, weitet sich ein Raum innerer Klarheit und macht Gelassenheit und Freude Platz. Freiheit von innerer Unruhe stellt sich ein. Die Signale des Körpers können durch Achtsamkeit wieder in gelassene Ruhe umgewandelt werden.
Eine Erfahrung tiefer Beruhigung kommt durch eine bewusste Wahrnehmung des Atems und durch Atem- und Zentrierungsübungen. Diese Übungen können auch später zuhause angewandt werden. Sie dienen der Beruhigung und insgesamt der Gesundung.

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