Symptom und Therapieziel
Zum Symptom
Tinnitus und Hyperakusis treten meist in Zusammenhang mit einem psychovegetativen (allgemeinen)
Erschöpfungszustand und Begleitsymptomen wie Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, innere Unruhe, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen und Schwindel auf. Auch wenn zu Beginn des Auftauchens des Tinnitus eine gründliche Abklärung durch den HNO-Arzt anzuraten ist, so ist dennoch Tinnitus bzw. Hyperakusis nicht primär ein Problem der Ohren, sondern ein Warnsignal für eine den Körper überlastende Lebensführung.
Patienten mit Tinnitus haben meist hohe Ansprüche an ihre eigenen Leistungen, - ihre Gesundheit hat dagegen einen geringeren Stellenwert für sie. So ist das Symptom als eine Reaktion auf ein inneres Ungleichgewicht zu begreifen. Oft haben die Betroffenen "zu viel um die Ohren" und sind einem hohen inneren Druck ausgesetzt: Überlastungen im Beruf, berufliche Probleme oder Belastungen in Beziehungen, schwierige Lebensübergänge oder schmerzhafte Erlebnisse (z.B. der Tod eines nahestehenden Menschen), Zukunftsangst oder andere Ängste, Depression, Resignation oder andere Krankheiten sind oft als Begleitumstände zu beobachten.
Hinzu kommt die zusätzliche Belastung durch den Tinnitus selbst, die dann nicht mehr verarbeitet werden kann. Patienten mit Tinnitus und vor allem auch die von Hyperakusis Betroffenen sehen oft keine andere Wahl, als sich von sozialen Aktivitäten zurück zu ziehen und vor lebhaften und lauten Umweltbereichen zu schützen.

Therapieziel
Da die psychische Verfassung des Patienten eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Symptome spielt, sind auch bei der Bewältigung der Symptome psychotherapeutische Verfahren unterstützend und entlastend. Indem wir auf Stärken und Fähigkeiten des Patienten aufbauen, werden wichtige Gesundheitsressourcen genutzt. Das Bewusstsein der eigenen Kompetenz wächst. Durch neue Lernerfahrungen können sich ungünstige Strukturen sowohl im Selbstverständnis als auch in der Hörverarbeitung zurückbilden. Neue Strukturen entwickeln sich, die den Patienten entlasten.
Der Fokus liegt weniger auf der begrenzten Sicht auf das Symptom, sondern in der Aktivierung und Nutzung der gesunden Anteile des Patienten (im Sinne der Salutogenese). Gemeinsam werden Wege entwickelt, die zu Klarheit in Gedanken und Gefühlen führen. Indem gedankliche Weichen gestellt werden, verändern sich die Sichtweisen, so dass auch schwierige Probleme wieder lösbar werden. Der Patient erfährt, dass ein achtsamer, bewusster Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen seine Kraft und sein Wohlgefühl vermehrt und dies insgesamt gesundheitsförderlich wirkt.

Aussicht
Wenn die innere Unruhe und der Druck sich legen, werden die Ohrgeräusche schon relativ bald verändert wahrgenommen. Durch Entspannung werden die Ohrgeräusche leiser und meist auch angenehmer, - durch die Verlagerung der Wahrnehmung tritt der Tinnitus in den Hintergrund. Es entstehen Tinnitus-freie Intervalle.
Auch die Hyperakusis entwickelt sich zurück, wenn die nervliche Anspannung zurückgeht. Der Betroffene findet wieder Ruhe, er empfindet wieder Zufriedenheit in der eigenen Stille und Gelassenheit.
